• josefineflury

CEI*** 160km, Compiègne, Frankreich

Wir bestiegen schneebedeckte Hügel, kratzten eingefrorene Halfter vom Anhänger, trotzten Regen, Wind und Hitze. Wir galoppierten viele Kilometer und Stunden, nahmen Höhenmeter um Höhenmeter unter die Hufe, stundenlang im Sattel. Die Wetterbedingungen für das Training waren wirklich nicht immer einfach gewesen. Im März fiel auch noch der CEI* in Fontainebleau aus, den wir als Training nutzen wollten. Im April ergab sich dann die Möglichkeit, 80km in Buch zu reiten. Trotz den Widerständen war das Ziel immer klar: 160km in Compiègne als Qualifikationsrennen für die Europameisterschaft in Ermelo. Mit Compiègne waren wir bereits vertraut und das Rennen mit seinen sandigen, weichen Böden eignete sich Bestens als Vorbereitung.











Und endlich, vier Monate später, waren wir soweit. Karajol legte ein super 3-stündiges Abschlusstraining am Rhein hin. Kathrin Marthaler sagte mir als Super-Groom zu. Die PCR-Tests (nach denen niemand fragte) waren gemacht, die Bewilligungen von den Gemeinden (nach denen niemand fragte) waren geholt.

Karajol verhielt sich in den Tagen vor dem Rennen wie ein Profi. Er frass und trank gut und liess sich von der aufsteigenden Spannung nicht beirren. Das Wetter war ebenfalls vorteilhaft. Der Wald von Compiègne ist bekannt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit stark ansteigen kann. Der Regen blieb jedoch aus und die Temperaturen stiegen lediglich auf etwa 24 Grad.







Der Start war am Samstag um 6Uhr. Wir starteten in einer grossen Gruppe eher am Schluss

des Feldes. Ich ging davon aus, dass das Rennen eher schnell sein wird, da es ein Qualifikationsrennen für die französische Equipe war. Deswegen war es für mich klar, dass ich auch eher am Ende des Feldes mit einer guten Geschwindigkeit starten konnte;) Während des Rennens realisierte ich bald, dass ich die Strecke weniger technisch in Erinnerung hatte. Ich wusste jedoch, dass Karajol gut trainiert war und er die teilweise tiefen und anstrengenden Streckenabschnitte und die (nicht zu unterschätzenden) 900 Höhenmeter gut überstehen konnte.



Die 5. Runde hatte es nochmals in sich, da sie durch viele steile Stellen führte, die man im Schritt passierte (siehe Video). Ich entschied mich, Reserven für die letzte Runde zu sparen. Das stellte sich als lohnenswert heraus, da die letzte Runde, obwohl sie nur 20km lang war, über tiefe, sandige Wege führte und auch nochmals ein paar Auf- und Abstiege enthielt.

Auf der 3. Runde

Vor der letzten Runde lagen wir etwa 1 Minute hinter dem Spanier. Wer die Erfahrung gemacht hat, weiss, dass sich manchmal auch nur eine Minute schlecht aufholen lassen kann. Voller Motivation startete Karajol jedoch auf die letzte Runde und hatte den Spanier schnell eingeholt.







6 Runden zu reiten war nochmals eine neue Erfahrung und erfordert aus meiner Sicht eine andere Herangehensweise wie 160km in 5 Runden. Es war verbunden mit Höhen und Tiefen, die sich in Karajols Vet-Karten zeigten. Schlussendlich schloss er das Rennen mit A und 1 ab, auch dank Kathrins Talent zum Vortraben! Nach 8h53 Reitzeit und etwa 12 Stunden insgesamt dieses technische Rennen mit 18km/h zu beenden, war ein unglaublich erfüllendes Gefühl.

Dankedankedanke an meine Mutter und Kathrin, die uns mit viel Humor durch das Rennen begleitet und betreut haben, die Stimmung hochgehalten haben und immer 160% gegeben haben! Eine Distanzreiterin ohne Grooms ist eben auch nur ein Mensch;) Karajol ist nun im Pausenmodus und wir lassen ihm die Regenerationszeit, die er benötigt. Wir sind gespannt, welche Abenteuer wir noch mit unserem Wunderpferd erleben dürfen. Und das Wichtigste: Wir sind bereit!




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